Ein bisschen Hetze

Le fric - der Zaster

Sarko freut sich über Kärcher ...

Hier geht´s zu Charlie Teil I und hier zum Teil II

Apropos Faszination fürs Geld: 2009 ernennt Sarkozy einen Jurastudenten im zweiten Studienjahr zum Chef einer Behörde, die Milliardensummen für die EPAD steuert, der Behörde, die das Geschäftsviertel "La Défense", am Standort der letzten Verteidiger der Kommune 1871, westlich von Paris, unter sich hat. Das ist dieser Riesenhochhauskomplex, ein ganzes Stadt- und das größte Geschäftsviertel Frankreichs, von Ferne bereits in der Verlängerung von Triumphbogen und Champs-Elysées zu erblicken. Der Studi heißt korrekt "Jean Sarközy de Nagy-Bocsa", 23 Jahre, Filius des Präsidenten. Er verzichtet schließlich nach heftiger Kritik der Franzosen, der Partei und der internationalen Presse und Finanzwelt. Das war zuviel. Die Nähe zum Geld war eigentlich schon bei der Eheschließung des Vaters mit der Vorgängerin seiner Carla, Cécila, nämlich, deutlich. Zwei der reichsten Männner im Land waren Trauzeugen: Europas größter Betonlöwe und nebenher TF1-Besitzer (Frankreichs wichtigster TV Sender) Martin Bouygues und Luxusboutiquen- und Champagnermarkeninhaber Bernard Arnault (LVMH, Louis Vuitton, Moët Hennessy). A propos Medien: Der Präsident ernennt immer die Intendanten der Fernsehsender ... Carla Bruni selbst entstammt einer vermögenden italienischen Industriellenfamilie.

Hochdruck-Saubermann

Zu Papa Nicolas Sarkozy ist noch anzumerken, dass problematische Vorstadtviertel mit Immigrantenkindern, überwiegend muslimischen Hintergrunds, per „Hochdruckreiniger gekärchert“ (gesäubert) werden sollten, was die Firma Kärcher zum Hopsen brachte, denn die fühlte sich an Nazijargon erinnert. Tenor: "Unsere Maschinen dienen nicht der Säuberung von Menschen".
Anlässlich von Unruhen in Paris beschimpfte Sarkozy die protestierenden Jugendlichen, meist nordafrikanischer Herkunft, als „Gesindel“ (racailles). Sarkozy hat vergessen, dass seine Familie selbst als Einwanderer aus Ungarn kam, wo sie allerdings auch ein Schlösschen besaß. Die Frage lautet: Warum wird die Justiz - anders als bei Siné - in diesen Fällen nicht tätig? Sarkozys Immunität endete mit Ende der Präsidentschaft.
Bei einer Landwirtschaftsausstellung in Paris fing das Mikrofon einer Fernsehkamara folgende denkwürdige Worte von ihm ein, als ein Bauer nicht per Händeschüttelei von ihm vorgeführt werden wollte: "Hau ab, kleines Arschloch" (Casse-toi, pauvre con (1))! Im August 2008 führte Hervé Eon aus Laval ein Schild bei einer Anti-Sarkozy-Demo mit, das genau die goldenen Worte des Präsidenten zeigte: "Casse-toi pov' con". Er wurde wegen Beleidigung des Präsidenten verurteilt. Während der Staatsanwalt tausend Euro forderte, begnügte sich das Gericht mit einer symbolischen Strafe von 30 €. Wo bleibt die Meinungsfreiheit, und wo genau ist das Vergehen?

Hier gibt´s weitere bewegende Geschichten über den Herrn, der eine Weile wegen verbotender Parteienfinanzierung, Korruption und Bestechung u.a. schwer in der Klemme war. Die Geschichte, wo er einer reichen, tattrigen Omi Geld geklaut haben soll, ließ sich nicht nachweisen.

Weitere gute Zeitungen

Eine wichtigere Satire-Zeitschrift ist "Le Canard Enchaîné", Auflage 400.000, "Der gefesselte Erpel", aber der wird von großen Teilen des Bürgertums eher zu Hölle gewünscht und würde am liebsten bombardiert werden, weil er guten Enthüllungsjournalismus betreibt und regelmäßig die gesamte Politikerkaste zum Beben bringt. Dort ist er quasi Pflichtlektüre, nicht zuletzt weil er einen ganz anderen Zugang zum politischen Alltagsgeschehen beschert. Gehasst wird er mal von den einen, man von den anderen, wobei jeweils die Gegenpartei helle Freude hat. Der "Canard" bekommt von allen Seiten Informationen gesteckt, unterhält eine Redakion, die investigativen Journalismus verfolgt, ist satirisch und voller Humor und aus Gründen der Unabhängigkeit dazu auch noch völlig werbefrei.
Ähnlich ungeliebt ist die vorerwähnte "Libération", die etwa unserer TAZ entspricht. Bleibt zu hoffen, dass Charlie und Libération ungefesselt ihre Arbeit versehen, aber wie soll das bei den Besitzverhältnissen funktionieren?

Zu fragen ist bei dem ganzen Thema auch, warum Angriffe auf Necla Kelek, Seyran Ates, die ja sogar tätlich angegriffen wurde und bedroht wird, ferner Ayaan Hirsi Ali und Theo van Gogh, der sogar umgebracht wurde, oder auch auf den Blogger Raif Badawi keine oder kaum Reaktionen bewirkten. Wäre das nicht sinnvoller, als den Rothschilds Geld hinterherzutragen?
Letztlich vollzieht sich die Einschränkung durch weniger spektakuläre Veränderungen, s. den Artikel Scharia. Das ist das Gefährliche.
Übrigens: Siné (Maurice Sinet) wird der Rauswurf bei Charlie seinerzeit vielleicht das Leben gerettet haben.

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1) Ein amüsanter feiner "interkultureller" Unterschied: Die Franzosen, wie alle Romanen, wie das ganze Mittelmeergebiet, ja auch Engländer und selbst unsere nächsten Nachbarn, die Holländer, fluchen und schimpfen eher genital, die Deutschen anal. Tatsächlich hatte Sarkozy etwas anderes von sich gegeben: "Hau ab, arme Votze!" Hier mehr dazu.