Gott und Teufel

Tabuisierter Gott

Der Gott ist weg

Es ist schon seltsam, im Internet zwar eine Reihe von Artikeln zum Nennungs- und Abbildungsverbot finden zu können, aber kaum etwas zu den Gründen, dem Zweck der Geschichte, der doch nur psychologisch erklärt werden kann. Dazu hier also mehr.
Eine Steigerung der sprachlichen Gottesabwehr, wie bei den Holländern grade festgestellt, erfährt die Geschichte dadurch, dass der Gott gar nicht erwähnt werden darf, wie im Judentum - er also "weg" ist.
Dort wird dieses Tabu auf die Spitze getrieben. Das ist nur die Kehrseite des Vorgesagten. Das Zweite Gebot war das allererste Sprachverbot: "Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen."
Seither spricht kein frommer Jude das Wort "Gott" aus, sondern benutzt, höchst vorsichtig, etwa "Haschem", (der Name).
Ein toller Trick. So, nun verfluche man mal jemanden, den es gibt und irgendwie doch nicht gibt, da man ihn nicht benennen darf. Auf der Webseite de.chabad.org findet man z.B. die Schreibung "G-tt" unter der Erläuterung zum Feiertag "Rosch Haschana" oder "Jom Kippur", wobei der Bindestrich statt des "o" dem Irrsinn also Genüge tut. Offensichtlich eine zwanghaft angewendete Schreibweise, ein zwangsneurotisches Phänomen. Ähnliches ist auf vielen vom Judentum beeinflußten Seiten zu finden. Mal blättern ...

Der Gott und Teufel - Denk- und Sprachverbote

Ja, vermutlich hassen die meisten Gläubigen ihren Gott, der sie knechtet, reglementiert, bedroht, unvorhersehbare Strafen und Schicksalsschläge auf sie niederprasseln lässt, immer dabei ist, Gedanken liest, alles weiß (1).
Wie das? Nun, dem aufmerksamen Leser wird bereits auf der Vorseite aufgefallen sein, dass es "der Gott" hieß, wobei es im Normalfall doch immer "Gott" ohne Geschlechtswort lautet, seltsamerweise aber immer "der" Teufel. Was ist der Zweck der Geschichte?

Göttliches Absolutantum durch sprachliche Trickserei

Wenn der Moderator in der Diskussionsrunde sagt: "Ja, aber wenn Gott doch ..." dann ist schon alles zu spät, alles gelaufen, der Zuschauer betrogen. Warum?
Sagt er "Gott" statt z.B. "Ihr Gott", "der Gott" usw. dann ist der nämlich schon allmächtig, allgegenwärtig, nicht in Frage zu stellen. Er ist einfach da, hockt dabei: "Gott", und peng. Die Unterschlagung des Artikels macht ihn absolut. Das ist ein unbewusster psychischer Trick, der sich sprachlich eben so äußert. Der Moderator hat seine Existenz anerkannt, andernfalls würde er andeuten, dass sie offen sei, der Gott vielleicht nur als Hirngespinst des Gesprächspartners bestehe.
Immer wenn also von "Gott" die Rede ist, so ist er schon gedacht, fertig, existent. Weder kann er selbst in Frage gestellt werden, noch sein Vorhandensein. Es gibt ihn wie selbstverständlich, und fertig. Eine Diskussion über seine Existenz ist ungehörig, widersinnig, verpönt (2).

Rochus auf den Gott

Ferner kann man dem Gott nicht fluchen, kann ihm nichts anhängen, kein Eigenschaftswort hinzufügen. Das einzig vorkommende und erlaubte ist "lieb". Der "liebe Gott", vielleicht auch noch der "rächende" Gott, aber das ist auch kein Adjektiv. Ähnlich funktioniert´s bei "Jesus". Man kann im Deutschen bei Vornamen den Artikel setzen oder nicht: "Wenn (der) Wolfgang wiederkommt, soll er (den) Dieter anrufen." Aber: "Wenn der Jesus wiederkommt, soll er den Gott anrufen?" Nie und nimmer!
Die Gläubigen verbieten sich das Denken und zumindest verbale Rache an ihrem Unterdrücker. So funktioniert´s. Wer nicht glaubt oder zumindest zweifelt, probiere das mal aus und setzte fleißig den Artikel oder ein besitzanzeigendes Fürwort: "Dein komischer Gott", "Euer seltsamer Gott", "der grausame Gott, an den Du glaubst ... ". Das sind ganz neue Erfahrungen, auch für den Angesprochenen. Gläubige allerdings werden davon allerdings kaum erreicht. Im übrigen gilt es ja als Zeichen von Intoleranz, gegen Religionen aufzutreten. "Jeder darf glauben, was er will!", etc.
Ja, klar, im Privatleben, aber was ist Gutes daran, sich den größten Unsinn anhören zu müssen? Und was daran, ganze Gesellschaften darauf auszurichten?

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1.) Man greife mal zum Buch Hiob. Dort stellt er sich dar, der "liebe" Gott-Vater, so wie so manch einer ihn in der Kindheit erlebt hatte. Heute, bei uns, aber bei weitem nicht überall auf der Welt, in der hiobschen Ausprägung allerdings immer seltener. Dieses ganz bestimmte, extreme, Vaterbild bröckelte seit den Fünfzigern, besonders in den Sechzigern, ab und wich einem anderen Typus. In anderen Kulturen ist das aber nicht so. Die Alten, insbesondere der Vater, genießen Hochachtung; dem Vater schulden die Kinder absoluten Gehorsam.
2.) Ähnliches gilt übrigens auch, wenn der Moderator vom "Propheten" spricht, statt von "Ihrem Propheten", der "angebliche Prophet" o.ä. Hier wird zwar der Artikel gesetzt, aber ohne Distanz wird er als gleich als wahr anerkannt. Schon ist der arme, analphabetische Nomade zum "Weissager" und "Wissenden" aufgewertet.