Krawall in Israel

Kulturschock, Rassismus, Menschenhandel

Spannungen innerhalb der jüdischen Gesellschaft *

Die Tagesthemen zeigen ein Video mit einer Szene aus Israel, die man sonst nur aus den USA kennt: Polizisten prügeln auf einen wehrlosen "äthiopischstämmigen", schwarzen Soldaten am Boden ein, was Demonstrationen von rund einem Tausend Demonstranten und stundenlange Straßenschlacht von äthiopischen Juden (Falaschen) mit der Polizei auf dem zentralen Rabin-Platz in Jerusalem auslöst. Dutzende Menschen werden verletzt, rund 40 Demonstranten festgenommen.
Kommentar des Nachrichtensprechers: Die Falaschen seien einst in "organisierten Einwanderungswellen" nach Israel gelangt.
Das ist erkärungbedürftig. Da soll etwas verschwiegen werden. Wie wandern Schwarze nach Israel ein?

Flotter Tauschhandel - Waffen gegen Menschen

Tröpfelnde Einwanderung, Menschensammelei und zwei Geheimoperationen mit US-Hilfe

Bei den Falaschen handelt es sich um Menschen, die im 18. und 19. Jahrhundert zwangsweise zu Christen gemacht worden waren, aber an ihren jüdischen Riten festhielten. "Kundige" Rabbis identifizierten sie als "Nachkommen des Stammes Dan", einem der zehn verlorenen Stämme. Nur seltsam, dass selbst die DNA nichts dazu hergibt. Wie auch immer: Damit haben alle Juden einen Rechtsanspruch auf die israelische Staatsbürgerschaft, und zwar auch die Falaschen seit 1950. Zunächst gelangten bis 1977 nur einzelne Gruppen nach Israel. Danach, unter Menachem Begin, wurde die Erlaubnis zur Auswanderung neu verhandelt. Der Deal lautete: Falaschen im Tausch gegen Waffenlieferungen an die äthiopische Regierung, so dass zwischen 1977 und 1984 über 8000 Äthiopier nach Israel gelangten. Dass ein Staat quasi einen Teil seiner Bevölkerung gegen Waffen verschachert, ist schon bemerkenswert, noch mehr aber, dass ein anderer, der den Handel ausgelöst hatte, die Menschen auch tatsächlich kauft. Falaschen

Operation Moses

Die große "Einwanderung" setzte 1984 zur Zeit einer Hungersnot in Äthiopien ein.
Der Geheimdienst Mossad hatte die Juden in Äthiopien, arme, primitive Bauern, über die Grenze in den Sudan verbracht. Dazu errichteten sie zur Tarnung ein "Touristen-Dorf". Tagsüber arbeiteten die Agenten dort, des nachts verschifften sie die Äthiopier auf Booten.
So wurden wiederum rund 8000 Afrikaner mit Einverständnis der äthiopischen Regierung im Tausch gegen Waffenlieferungen nach Israel verfrachtet. Nach einer kleineren Aktion, der Operation Joschua, folgten noch rund tausend zurückgelassene Waisenkinder. Ob die wirklich Waisen, also ihre Elten tot waren und sie sie nicht nur zeitweise verloren hatten, ist höchst zweifelhaft. Auch viele vermeintliche "Kriegswaisen" fanden in Deutschland nach 1945 ihre Eltern wieder. Auf jeden Fall wurden sie mit den anderen Landsleuten "entführt" - Eltern lebendig oder nicht - was Israelis sicherlich als "gerettet" bezeichnen würden. Es ist auch wahrscheinlich, dass die Erwachsenen, hilflose Analphabeten, überhaupt verstanden, was geschah, s. z.B. den folgenden Kommentar des Deutschandfunks. Spätestens dann, wenn man sich die ganze Geschichte weiter weg denken würde, zum Beispiel nach Ruanda oder Italien, würden viele ins Grübeln kommen oder sich empören. Und noch mehr, wenn der Vatikan oder Frankreich beispielsweise Christen im Niger, in Mali, Syrien oder dem Irak einsammeln wollten, denn Bedrängten hilft man doch besser vor Ort.

Operation Salomon - Entführung und Menschenraub oder Rettung?

Ähnlich die zweite Aktion 1991, wobei 14.000 Falaschen in einem Kraftakt binnen eineinhalb Tagen nach Tel Aviv ausgeflogen wurden. Die israelische Luftwaffe hatte Transportflugzeuge mit Matratzen ausstopft, so dass möglichst viele der Afrikaner an Bord passten. Ein Mann mit Megaphon drängte die Massen zur Eile. Über tausend Personen sollen sich so in einen Jumbo Jet gequetscht haben, obwohl Boeing das Flugzeug nur für die Hälfte von Passagieren geplant hatte. Nur die äthiopische Regierung war informiert, ansonsten herrschte höchste Geheimhaltung. "Sogar die Einwanderer selbst wussten bis zuletzt nicht, wohin sie ihre Reise führen sollte", ist in einem Beitrag des Deutschlandfunks zu lesen.
Zu ihrer neuen Heimat bestand keinerlei Bezug, weder von der Lebens- noch Wirtschaftsweise, den Kenntnissen und der Bildung, der Kultur usw. Ja, noch nicht einmal von der DNA her besteht Verbindung zu anderen Juden, wie oben erwähnt. Einziges gemeinsames Kettenglied: Die Religion.
Kein Wunder, dass die neuen "Einwanderer", die auf dem Lande unter urtümlichen Verhältnissen schlecht und recht ihr Dasein gefristet hatten, in einem Staat mit modernem Stadtleben bei so wenig Gemeinsamkeiten schwierig zu integrieren waren. Zudem waren die Alijah, die neuen Einwohner, deutlich anders, schwarz eben, und hoben sich so von den osteuropäischen Aschkenasen und den maghrebinischen Sepharden ab. Viele fühlen sich auch heute diskriminiert, sie leben in ärmlichen Verhältnissen oder illegalen Siedlungen, bekommen nur Hilfsarbeiterjobs usw., Parias im Lande eben. Der Zugang zu anderen Berufen bleibt ihnen häufig verwehrt.

Wiederauferstehung eines verlorenen Stammes

Heute leben rund 135.000 Schwarze in Israel, die, wie wie häufig in ansonsten weißen Gesellschaften, unter den üblichen Diskriminierungen zu leiden haben, eine Benachteiligung in Beruf und Alltag sowie ständige Übergriffe durch die Polizei.
Im Jahr 1996 hatte die Tageszeitung Maariv publik gemacht, dass der der Rote Davidstern (Magen David Adom), jahrelang heimlich und systematisch alle Blutspenden der Afrikaner vernichtet hatte. Die Weigerung israelischer Sanitäter 2013 bei einer Spendenaktion das Blut der schwarzen Parlamentsabgeordneten Pnina Tamano-Shata anzunehmen, offenbarte, dass die Sanis nur den Richtlinien des Gesundheitsministeriums folgten, die Blutspenden der "Nachkommen des Stammes Dan" weiterhin untersagten. Es geht noch schlimmer, denn der Spiegel berichtete von einer Art Zwangsverhütung bei äthiopischen Jüdinnen. 

Das Leben wird zu bunt

Im Jahr 2012 enthüllte der Fernsehkanal Channel 2, dass 120 Hausbesitzer in der südisraelischen Kleinstadt Kirijat Malakhi sich insgeheim verschworen hatten, ihre Häuser und Wohnungen weder an Schwarze zu vermieten noch zu verkaufen. Auch das kennt man aus den USA: Ziehen die nämlich zu, so rutschen die Immobilienpreise, und ein Exodus der Weißen setzt ein.
Nach israelischem Verständnis ist Jude, wer von einer jüdischen Mutter abstammt, was bedeutet, dass die Religion der Mutter die Zugehörigkeit bestimmt. Damit haben alle Juden einen Rechtsanspruch auf die israelische Staatsbürgerschaft, und zwar auch die Falaschen.

Alltägliche Diskriminierung in Israel

Nach der Operation Taubenflügel, die ab November 2011 weitere 7800 Falaschen nach Israel brachte, zog die Regierung 2013 die Notbremse - anscheinend wegen wachsender Spannungen und der unterschätzten Ablehnung, sprich des unterschwelligen Rassismus, in der Bevölkerung - und erklärte die organisierte äthiopische Einwanderung nach dreißig Jahren für beendet, denn "alle Juden seien zu Hause". Diese Operation erfolgte nicht mehr holterdipolter, denn nun wurden die Angehörigen des "verlorenens Stammes Dan" monatelang in Lagern auf ihr neues Leben vorbereitet.
So etwas wie eine "letzte Einwanderung", finden viele äthiopischen Alija ungerecht, denn es gebe Juden und einen Staat für sie. Es könne nicht sein, dass die einen kommen dürften, und andere nicht, denn es warten noch rund 5000. Ende der "schwarzen" Einwanderung also.

Gute und schlechte Juden

Im Deutschlandfunk erklärt einer der Einwanderer namens Tamasgang, die Situation sei absurd. Während er mit seiner Frau und zwei Kindern bleiben dürfe, sei dies seiner Mutter verwehrt. Da Jude ist, wessen Mutter Jüdin ist, habe er es doch seiner Mutter zu verdanken, heute in Israel leben zu können. Warum dann sie nicht? Es mangelt an Schlüssigkeit. Kosten-Nutzen-Denken? Weil sie alt und unproduktiv ist, und den Gesundheits- bzw. den Sozialbehörden zur Last zu fallen droht?

Menschenfischerei in Europa

Komischerweise scheinen Aschkenasen, osteuropäische Juden, weiter willkommen zu sein, wie im Folgenden ausgeführt. Auch fordern israelische Politiker selbst bei Staatsbesuchen immer wieder Juden zur Auswanderung nach Israel auf, was teils schwere diplomatische Verwicklungen zeitigt. Dass Besucher einen Landes, einen Teil dessen Einwohner zur Ausreise animieren, ist ja nun kein übliches Verhalten, eher eine bodenlose Frechheit. Beim Staatsbesuch in Deutschland drückte Ezer Weizman sein Unverständnis darüber aus, dass Juden überhaupt noch in Deutschland leben könnten. Die Heimat aller Juden sei Israel. Der damalige französische Staatspräsident Chirac erkärte 2004 Ariel Scharon zur unerwünschten Person, sein Aufruf, alle Juden sollten Frankreich umgehend verlassen, wurde dort als Skandal empfunden, und im Gegensatz zu Deutschland, wird dort auch empört reagiert. Auch Benjamin Netanjahus Aufruf an alle europäischen Juden 2015, nach Israel auszuwandern, löste hier nur Kopfschütteln aus. Der herrschenden Klasse in Israle ist´s egal, denn Land gibt es bei den Nachbarn genug ...
Rassistisch bedingte Risse in der israelischen Gesellschaft gehen aber noch tiefer, denn auch die Sepharden fühlen sich vielfach diskriminiert.

Gestörte Orthodoxe

Dies mal ganz abgesehen von der Spaltung der Gesellschaft zwischen den ganz Verrückten, den rund 700.000 Orthodoxen, zehn Prozent er Bevölkerung, ohne die nichts im Lande läuft, und anderen. Grade ist es den Charedim (Haredim) gelungen, sich wieder vom Wehrdienst befreien zu lassen, eine Zeit, die sie mit Gebeten, Tora- und Talmudstudium füllen, vorwärts und rückwärts, denn sonst tun sie nichts, hängen am staatlichen Tropf und müssen von den anderen mitunterhalten werden. Es gibt keine anderen Erkenntnisquellen; das Ganze erinnert an Gehirnwäsche wie bei den Koranschulen. Einen großen Teil ihrer nichtverbeteten Zeit verwenden sie auf Erzeugung und Aufzucht ihrer Kinder - rund sieben im Schnitt, so wie in Uganda - so dass die anderen befürchten, in absehbarer Zeit in die Minderheit zu geraten. Wie gesagt: Sie bestimmen die Politik und einen guten Teil des öffentlichen Lebens.

Gefährliches, minderwertiges Weibervolk

Dazu gehören z.B. auch Handgreiflichkeiten gegen Frauen wegen "unziemlicher" Kleidung, Herunterreißen von zu "freizügigen" Werbeplakaten, ja sogar eine Geschlechtertrennung in Bussen, wo sie hinten einsteigen sollen. Das riecht nach Selma, Alabama, und ist fünfzig Jahre her ... Sie verlangen von Frauen vor den Synagogen die Straßenseite zu wechseln, im Supermarkt getrennte Kassen zu benutzen sowie bei Wahlen andere Wahlurnen. Kleines Beispiel aus den Israel-Nachrichten: "Der Angriff geschah in der vergangenen Woche, als eine moderne orthodoxe Frau, die mit ihrer 2-jährigen Tochter in der Nachbarschaft von Ramat Bet Schemesch Bet unterwegs war, an einer Bushaltestelle von einem orthodoxen Haredi angegriffen wurde. Der Angreifer schrie sie vor dem körperlichen Angriff an, erzählte sie einem Reporter des israelischen Fernsehen Kanal-2. Die Frau sagte, dass sie einen Rock trug und ihr Haar bedeckt hatte."
Warum sie das eigens erwähnt, Rock und Haar, ist seltsam, denn niemand hat sie anzugreifen, Rock oder nicht, bedecktes oder offenes Haar. Die Aussage ist doch: Obwohl ich mich wohlverhalten hatte, angepasst war, wurde ich zum Opfer, was ja nun eigentlich kein gutes Licht auf die emanzipatorische Kraft dieser Frau wirft.
Frauen scheinen, wie auch in vielen anderen Ländern, generell die Pest zu haben ... Was ans Geschlecht gebunden ist, nennen wir auch "sexuell". Kern der Geschichte also: Sex, wie immer bei allen Religionen.

Kranke, zwangsneurotische Gesellschaft

Warum die Orthodoxen hochgradig verrückt sind, ist ablesbar an Grad und Menge der Zwänge, denen sie sich selbst unterwerfen - genauer gesagt: die sie selbst ja definieren und produzieren - dargestellt hier von einem jüdischen Fachmann, dessen Fachgebiet nur einen Makel hat: Die Psychoanalyse ist die Wissenschaft von dem, was man nicht wissen will, denn sonst bräuchte man sie gar nicht. Während bei Muslimen nur ein einziges Speiseverbot bekannt ist (Alkohol ist keine Speise), nämlich das Schweinfleischverbot, das sie vom Judentum übernahmen, sind es dort gleich zahllose Gebote und Verbote, wie z.B. die Trennung von Milch und Fleisch sowie tausend kleine Regeln im Alltag, vom Autofahren bis hin zur Betätigung eines Lichtschalters am Sabbat, die natürlich auch etwas über den Zwangseurotisierungsgrad einer Gesellschaft aussagen. Rational begründen kann diese zwanghaften Regeln niemand; letztlich heißt es dieser und jener habe gesagt oder geschrieben ... Diese Geschichte ist allerdings ein anderes und weites Thema. Man könnte, was uns betrifft, dann auch gleich über gewisse zwanghafte Züge, unsere Kardinaltugenden, ins Grübeln kommen: Ordnung, Disziplin, Pünktlichkeit, Pedanterie usw. 

Lieber weiße Juden - Vereitelter Menschenraub

Laut KNA wurde im Mai 2014 durch die Nachrichtenagentur Jewish Telegraphic Agency bekannt, dass Israel ukrainische Juden - Staatsbürger eines fremden Landes, der Ukraine ! -  per streng geheimer Rettungsaktionen hatte "evakuieren" wollen  - klauen wollen?, retten wollen? - und nur wegen des Durchsickerns der Pläne in ukrainischen Medien schließlich davon Abstand nahm. Auf jeden Fall sind keine besonderen Verfolgungen in der Ukaine bekannt geworden, die irgendeine Aktion dieser Art hätte rechtfertigen können.
Israels Botschafter in der Ukraine, Reuven Din El, warf der israelischen Einwanderungsbehörde, der Jewish Agency, mangelnde Sorgfalt vor, sowie der Gefährdung ukrainischer Juden, da diese nun unter dem Verdacht der Illoyalität stünden.
Bemerkenswert ist also, dass es nicht die allgemeine Not oder Verfolgung sondern vornehmlich die Religionszugehörigkeit ist, genau genommen die der Mutter, die Anspruch auf die Staatsangehörigkeit begründet. Mit der Haltung könnten natürlich viele Staaten Anspruch auf Angehörige fremder Völker erheben.
Sicherlich hätte doch auch die Möglichkeit bestanden, den Äthiopiern durch Hilfslieferungen, technischem Beistand, landwirtschafliche Beratung, Lieferung von Ackermaschinen u.ä. in der Hungersnot beizustehen, statt sie von der Steinzeit in die Moderne zu werfen, sie zu entwurzeln und sozusagen zu entführen.

* Nota bene: Behandelt wurden hier nur Spannungen innerhalb der jüdischen, nicht aber der israelischen Gesellschaft, denn die pälestinensisch-muslimischen Staatsbürger waren hier nicht Thema.

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