Schwein mit Socken

Schweinefleischtabu bei Muslimen und Juden

Porcophobie - Angst vor Schweinen

Teil I. Hier geht´s zu Teil II, Feine Küche, Teil III.: Europäischer Kannibalismus, Teil IV.: Religiöse Speisetabus, Teil V.: Bloody Mary und Teil VI.: Blutiges Exempel

Bei den vielen Rezensionen zum Film Das Schwein von Gaza von 2011 des Franzosen Sylvain Estibal wird leider nicht der Hintergrund deutlich. Zeitgemäß geht es nur noch um eins: Hier haste eine kleine Rezension, nun klick auf den Link und kauf´ den Film. Mehr wird kaum geboten.Schwein v. Gaza

Vierbeiniger Schrecken - Das Schwein von Gaza

Estibal selbst zur Rolle des Schweins in seinem Film: "Was die beiden verschiedenen Lager dieses Films vereint, ist einzig und allein, die Abscheu vor dem Schwein, so dass es zum Botschafter, Grenzgänger – zum Bindeglied zwischen den beiden Lagern wird. Aus diesem kleinsten gemeinsamen Nenner entsteht Verständnis, das zu einer Annäherung führt. In gewisser Hinsicht könnte man sagen: Das Hängebauchschwein ist meine Friedenstaube", denn "Der Film drückt den starken Wunsch aus, Dinge zu ändern". Das Werk, das immerhin auch einen Cäsar als bestes Erstlingswerk einheimste, erfreut die Herzen der Zuschauer nun durch die ganzen Irrungen und Verwicklungen, die sich aus dem Ekel vor dem Schwein, diesem unreinen und verachtungswürdigen Tier ergeben, das der Fischer Jafaar aus  seinem Netz zieht und das aus religiösen Gründen nicht einmal den Boden in Gaza berühren darf.
Wir empfinden es als unfassbar grotesk, dass der arme Fischer sich sträubt, sein Schwein anzufassen und ihm Socken verpasst, damit ja nicht die heilige Erde entweiht werde. Insgesamt eine leichte Komödie, soweit in Ordnung. Nicht thematisiert werden aber die Hintergründe. Woher rührt die Abscheu vor dem armen Tier, das in ein lächerliches Wollsockenschwein verwandelt werden muss? Was steckt hinter der Geschichte?
Das Speiseverbot, den Verzehr von Schweinefleisch, führen viele auf die früher häufigen Fadenwürmer (Trichinen) zurück, aber die gab es genausogut auch hier, sogar noch häufiger als im Orient.

Schwules Schwein

Ja, die Abscheu ist riesig und wird absurderweise auch noch auf diverse andere Übel in dieser Welt, wie sexuelle Orientierungen übertragen bzw. dafür verantwortlich gemacht.
So soll Hazrat Mirza Tahir Ahmad, "geistlicher" Führer der muslimischen Ahmadiyya-Sekte, u.a. Ansprechpartner der zuständigen Stellen beim Islamunterricht in Hessen und Hamburg, erklärt haben, dass "die gegenwärtige Steigerung zum Hang zur Homosexualität mit dem Verzehr von Schweinefleisch in Verbindung stehen könnte". Im Jugendjournal der Gemeinde erörtert eine Autorin die "Auswirkungen von Schweinefleischverzehr auf das menschliche Moralverhalten" und macht es als "schamloses Tier", für die "Ausprägung gewisser Verhaltensweisen des Konsumenten" verantwortlich. Sie beruft sich auf Hazrat Mirza, der "den zunehmenden Hang zur Homosexualität mit dem Schweinefleischverzehr in unserer Gesellschaft in Verbindung" gebracht habe.

Die Porcophobie, im Judentum zu finden, von den Moslems übernommen, dürfte also andere Gründe haben.
Jeder kann es leicht nachvollziehen: Steht mannn z.B. im Sommer vor einer Ampel und blinzelt - selbst gegen die Sonne - auf die Wartenden gegenüber, so ist blitzartig klar, wer da gegenübersteht. Innerhalb eines Sekundenbruchteils sind Männlein und Weiblein voneinander geschieden, ohne dass ein Gesicht oder weitere Details erkannt zu werden bräuchten. Grund: Frauen zeigen eine Menge mehr Haut als Männer. Das weckt sofort Interesse, oder es erzeugt Abwehr, je nach Konditionierung, sprich Sozialisierung oder Kultur.

Keine Zehn Gebote

Zu Anfang gab´s einen kleinen Hinweis bei Ibn Warraq, Autor von Warum ich kein Muslim bin (Titel in Anlehnung an Bertrand Russells Buch Warum ich kein Christ bin an) und dann noch mal eine freche Beschäftigung des "Pyrotechnikers des politischen Essays", wie ihn der Spiegel mal nannte, Christopher Hitchens, in Der Herr ist kein Hirte mit der Frage bei, warum der Schöpfer denn keinen Schinken ausstehen könne. Das war der Beginn der Recherche, der nebenher auch das Geheimnis um einen beliebten Cocktail, der Bloody Mary, enthüllte.
Die Geschichte ist so einfach, dass man sie kaum glauben mag: Schwein, wie auch Hund, wurden am Haus gehalten, treiben´s offen unter aller Augen miteinander und stören durch ihre zügellose Annäherungen. Während der Hund als Hüter, Wächter, Hirten-, Jagd- ja sogar Lawinen- und Blindenhund auch eine gewisse Achtung genießt, besitzt das Schwein über die Verwertung seines Körpers, Fleisch, Haut (Leder) und Borsten hinaus, keine weiteren nützlichen Qualitäten. Soweit das Fazit, dazu hier und auf den Folgeseiten einige Vertiefungen.

Der Hund, ein armes Schwein, das Schwein ein Sauhund

Je stärker die sexuelle Unterdrückung in einer Gesellschaft, desto mehr stört solch unkeusches Verhalten der Fauna, die keinen Gott kennt und laut Ahmadiyya "schamlos" ist. Insbesondere ist blanke Haut ein Greuel, dito offenes Haar, denn nur so sieht der Mann - in Aktion - seine Frau(en). Unbewusst erinnert das - erwachsene - Schwein an ein eigenes Verlangen, zumal sein Haarkleid seit langer Zeit durch Domestizierung weitgehend verloren ging. Ja, der lächerliche Ringelschwanz, anders als der Schweif beim Pferd z.B., deckt die entscheidenden Stellen auch nicht ab, sondern gibt den Blick aufs Geschlecht frei. Der nebenstehene Anblick wird in vielen Regionen dieser Welt als unerträglich empfunden. Muslime halten das nicht aus. Daher rührt auch die kleine Analyse der Ahmadis über die Schamlosigkeit des Schweins, s.o. Auch an anderer Stelle bringen sie Schwein und Mensch in Verbindung.

Nackte Sau

Ferkel hingegen, werden von den meisten von uns - wie nackte Kleinkinder auch - als "niedlich" oder "lustig" empfunden. Sie treten bei uns in allen möglichen Zeichentrickfilmen, Kinderbüchern usw., und erhalten Zuneigung auch von Leuten, die doch im nächsten Augenblick jemanden als "Schwein" beschimpfen könnten.

Die Sau ist nackt - das Weib muss weg 

Die Nacktheit des Schweins ist eine offensichtliche, provokante Schweinerei, die immer wieder verbotene und beunruhigende Wünsche und Phantasien hochquellen lässt. Daher ist die Abwehr auch so emotionsgeladen. Man darf nicht vergessen, dass sie nicht nur mit Widerwillen, sondern auch mit starken Ekelgefühlen verbunden ist. Ekel ist aber eine psychische Abwehr von Interesse, der eine Distanzierung erleichtert. Laut Sure 5, 60 des Korans hat der Gott (1) Juden, aber auch andere Ungläubige, in Schweine und Affen verwandelt, was in diversen Predigten von Salafisten stets wiederkehrt. Die Abscheu gegenüber allem Schweinischen in der muslimischen Welt führt dazu, dass selbst George Orwells "Farm der Tiere", verboten ist. Ja, mittlerweile führt das sogar bei uns zu Drohungen, siehe den bekannten Fall mit dem Pappschwein eines Kölner Metzgers oder auch zur Beschimpfung Marcus Bensers, "Ritter vom Orden der Blutwurst" und berühmter Fleischermeister im Berliner Neukölln.
Vielleicht ist bald Schluss mit unserem Wauwau und Gassigehen, denn im holländischen Liendert fordert ein Vertreter der „Islamdemokraten“ der El Fath Moschee bereits ein Verschwinden von Hunden im Stadtviertel (Überschrift übersetzt: Moscheebesucher wehren sich gegen „unreine“ Hunde im Viertel). Auch der nächste Schnitzelkrieg kommt bestimmt. Da soll eine Lehrerin an einer Schule ein Puten- mit einem Schweineschnitzel verwechselt haben. Die arme Sau; darauf ging´s gleich los. Ein muslimischer Junge berichtete zu Hause schlicht, die Lehrerin habe ihm Schweinefleisch gegeben – ein Tabubruch. Folge: Freistellung der Lehrerin und eine freundliche Aufforderung des Schulleiters, sich doch vielleicht an eine andere Schule versetzen zu lassen.
Bemerkenswert ist noch die feine Abstufung zwischen dem Neutralen, das "Schwein", und dem Weiblichen, die "Sau", denn die wird als schlimmer empfunden. Auch dass die wilden, bekleideten Genossen nicht beschimpft oder beflucht werden: ""Du Bache !", "Du Keiler !", würde nur ein Schulterzucken auslösen. Eigentlich ist anzunehmen, dass sie sich zügelloser verhalten würden, aber die Lösung ist, dass man sie ja nie sieht und sie daher nicht stören.
Was nun ist der Sinn des Fluchens?

Kein Tschador fürs WollsockenschweinTrüffelschwein

Da die Blöße des Schweins, diesem  „sehr schön-hässlichen“ Tier, laut Estibal, weder durch Socken (diabolische Paarhufer, der Satansfuß im Märchen und in der Mythologie, sic !) noch ein Wollkleid, wie im Film, wirklich wegzuzaubern ist, muss das ganze Viech zumindest aus dem öffentlichen Leben verschwinden, auf dass endlich Ruhe vor sündigen Gedanken und Seelenfrieden herrsche.
Überdies ist das Schwein dem Menschen immerhin so ähnlich, dass es selbst als Ersatzteillager bei Transplantationen von Haut, Herzklappen und Nieren dient. Es besitzt zudem eine Intelligenz, die der von Delphinen nahekommt und gewiss auch die mancher Zweibeiner übersteigt. Auch seine Gene unterscheiden sich nur wenig von unseren. Neunzig Prozent sind gleich, zehn Prozent machen also den kleinen Unterschied aus. Seine Todesschreie, sein schrilles Quieken, lässt so manchem das Blut in den Adern gefrieren (2) - es ist zu menschlich. Bricht man es auf, so erinnert es - fürchterlich - an das, was auch Pathologen in der Klinik bei der Leichenschau zu Gesicht bekommen. Feuerwehrleuten sagt man eine Abneigung gegen Spieß- oder Krustenbraten nach ...
Winston Churchill erklärte einmal, Schweine deshalb am liebsten zu mögen, weil Katzen auf uns herabschauen, Hunde zu uns aufblicken und nur Schweine uns auf Augenhöhe begegnen würden. Sie sind uns also zu nah, zu ähnlich, stehen für etwas, was Freud das "Unheimliche" nannte, etwas was einerseits mit dem "Daheim" zu tun hat und andererseits mit dem zu verbergenden und verbotenen Heimlichen. Das gilt auch bezüglich sexueller Anspielungen. Schweine stoßen ab, weil sie Dinge tun, die wir selbst gerne täten.

Einsacken und wegsperren

Also ab mit diesem weiblichen, öffentlichen Ärgernis in den häuslichen Koben, wo man es immerhin gelegentlich gebrauchen kann, den Blicken entzogen oder in der Öffentlichkeit wenigstens ordentlich nihabverhüllt, ein Gewand, das eine z.Zt. allenthalben auftretende Verkünderin des Islams, nicht müde wird zu verteidigen! Aus dem, was als weiblich sofort erkennbar ist, was anzieht, Interesse und Wünsche weckt, nämlich der Silhouette, wird eine geschlechtslose grade "Kerze". Die Frau wird "eingetütet", ja "eingesackt", wie in einen Kartoffelsack könnte man beim Anblick burkhaverhangener Frauen meinen. Die Verlockung ist gemindert, die Gefahr vermieden, die Seele hat Ruh´.

Auf den folgenden Seiten geht´s ein wenig weiter in die Tiefe.

Teil I. Hier geht´s zu Teil II, Feine Küche, Teil III.: Europäischer Kannibalismus, Teil IV.: Religiöse Speisetabus, Teil V.: Bloody Mary und Teil VI.: Blutiges Exempel

Näheres und ergänzend siehe das E-Book Die Sau ist nackt - Das Weib muss weg.

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1. Wer sich über den bestimmtern Artikel hier wundert, lese hier nach.
2. Ja selbst andere Tiere können zuviel kriegen. Beim Passieren eines Bauernhofs, wo grade eine Schlachtung unter lautem Gequieke im Gange war, zeigte sich das am Strick geführte Ross des Verfassers derartig beunruhigt, verängstigt, ja teils in Panik, dass es den Nachmittag nicht mehr zum Ausreiten zu gebrauchen war.

Porcophobie: Porco lateinisch "Schwein" (engl. "pork", franz. "porc"), phobia lateinisch "Angst"

 

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